Havannabrauner Appenzeller


Der havannabraune Appenzeller ist ebenfalls von der FCI anerkannt, aber erst seit 1982.
Viele Züchter sind gegen die havannabraune Farbvariante, da diese Hunde ockerfarbene Augen haben.

Seine bewegte Auf- und Ab-Zeit die ein Jahrhundert überdauert hat und immer noch kein Ende nimmt!!

Bei unseren Sennenhunden handelt es sich weitgehend um autochthone Rassen, also um alteingesessene Hunde. Bei vielen Viehherden (1853) der Alp findet man einen sogenannten Sennenhund. Die Sennen brauchten jene kurzhaarigen, mittelgrossen und vielfarbigen Hunde zum Zusammentreiben der Herden.

Vor 1900 waren die Schweizer Sennenhunde in der kynologischen Literatur mit keinem Wort erwähnt. Sie waren wohl als sogenannte Küherhunde da, galten aber keineswegs als Rasse und waren es auch nicht, denn dazu waren sie zu unterschiedlich in ihrer äusseren Erscheinung. Wenn immer wieder geschrieben wird, die grossen Kynologen um die Jahrhundertwende hätten die Schweizer Sennenhunde vor dem Untergang gerettet, so stimmt das nicht genau. Sie retteten nicht bestehende Rassen, sondern sie schufen aus bestehenden rasselosen Küherhunden neue Rassen. (Räber)

Zu diesen Küherhunden gehörte auch der "Schilt" oder "Plattenhund", ein Sennenhund in weisser Grundfarbe mit grossen schwarzen Platten auf dem Rücken und an der Seite. Der Kopf war immer dreifarbig und so gezeichnet wie unsere heutigen Appenzeller. Dieser Hund ist völlig von der Bildfläche verschwunden. Doris Meier hat diese Schilt-Hündin, sicher eines der letzten Exemplare, nach wochenlangem suchen auf Bauernhöfen im Appenzellerland im Dezember 1997 noch gefunden.

Zu diesen Küherhunden gehörte auch der "Schilt" oder "Plattenhund", ein Sennenhund in weisser Grundfarbe mit grossen schwarzen Platten auf dem Rücken und an der Seite. Der Kopf war immer dreifarbig und so gezeichnet wie unsere heutigen Appenzeller. Dieser Hund ist völlig von der Bildfläche verschwunden. Doris Meier hat diese Schilt-Hündin, sicher eines der letzten Exemplare, nach wochenlangem suchen auf Bauernhöfen im Appenzellerland im Dezember 1997 noch gefunden.

Es ist schade, dass die Artenvielfalt mit dem bestimmen des Rassestandarts geschmälert wurde. Allen gemeinsam war der kräftige Körperbau, das überschäumende Temperament, die Eigenständigkeit, Wachsamkeit, die angeborene Treib-Eigenschaft, Intelligenz, die geringelte Rute und das gehäufte Vorkommen im Alpenraum. Dazu kam sicher auch noch die Hoftreue und der nur schwach ausgeprägte Jagdtrieb.

Leider ist die Appenzeller-Variante - der Schilt - dem heutigen Erscheinungsbild zum Opfer gefallen. Auch er hätte bestimmt seine Liebhaber gefunden.
Anfangs 1900 wurden die Standards für die Schweizer Sennenhunde erarbeitet. Ziel war es ein möglichst einheitliches Bild zu schaffen. So wurde beschlossen, dass alle Schweizer Sennenhunde farblich gleich Aussehen, nämlich schwarz-braun mit weissen Abzeichen.
Bei den Appenzeller Sennenhunden trat früher die havannabraune Grundfarbe recht häufig auf. In vielen Würfen gab es braune Welpen, diese wurden aber sofort eliminiert, da das Braun nun als Fehlfarbe galt.
(Wenn ich von braunen Welpen rede, sind diese natürlich auch dreifarbig, havannabraun-braun mit weissen Abzeichen. Der Appenzeller Sennenhund ist ausschliesslich dreifarbig, ob die Grundfarbe nun schwarz oder braun ist)

In den 60er Jahren beschloss der Klub, das aus schwarzen Eltern gefallene braune Welpen im Anhang des SHSB mit dem Vermerk „zur Zucht gesperrt“ eingetragen werden können.

Im Zwinger v.d. Gartegg gab es darauf hin mit dem Braunvererber Rüden Sieger v.d. Gartegg mit verschiedenen Hündinnen 15 braun/schwarze Würfe. 14 Misch-Würfe gab es mit dem Rüden Baldo v.d. Ilfis. Das zeigt wie weit verbreitet bei der recht schmalen Zuchtbasis die rezessive Anlage für havannabraun war. Es wurden mehr braune Welpen gezüchtet als offiziell registriert wurden. Viele Züchter verschwiegen oder töteten braune Welpen oder sie wurden ohne Abstammungsurkunden verkauft.

An der Int. Hundeausstellung in Lausanne, 17.9.1972 waren zum ersten Mal braune Appenzeller zu sehen. Die beiden am 21.9.1971 geworfenen Rüden Dior und Dolf v.d. Gartegg. Damals war dieser Farbschlag weder vom Klub noch von der SKG anerkannt. Man wollte die Reaktion beim Publikum prüfen, andererseits die Hunde einmal richtig beurteilen lassen, abgesehen naürlich von der Farbe. Bei den Besuchern erregten sie allgemeines Interesse und auch grossen Gefallen.

Nun wurde von der SKG ein Zuchtversuch bewilligt. Zwei schöne braune Rüden standen bereits zur Verfügung. Es war vorgesehen zwei schwarze Hündinnen mit diesen Rüden zu verpaaren. Die fallenden Welpen waren alle Stammbaum berechtigt.

1975 wurde an der Generalversammlung mit grossem Mehr der Beschluss gefasst die braune Variante abzuweisen. Im Juli 1979 wurden havannabraune Welpen als standartwidrig erklärt und waren anlässlich der Wurfkontrollen auszumerzen. Eine Eintragung im Anhang des SHSB war also nicht mehr möglich.

1982 wurde der havannabraune Appenzeller wieder anerkannt. Der Beschluss kam nach ausgiebigen, aber fairen Diskussionen zustande und war damit sofort verbindlich geworden. Ein Relikt blieb allerdings erhalten: Braune Appenzeller dürfen nicht mit braunen, sondern nur mit schwarzen verpaart werden. Diese Regelung ist aus heutiger Sicht nicht mehr nachvollziehbar, denn sie dient nur den Havannagegnern. Wenn sich ein Züchter gerade auf Braun spezialisieren möchte, ist ihm der sicherste Weg zu braunen Hunden verbaut. Braun mit Braun ergibt immer Braun;  Braun mit Schwarz hingegen ergibt  rein rechnerisch 50% Braun – in der Praxis aber kann auch der ganze Wurf schwarz sein.

Sogar in der heutigen Zeit sind leider immer noch bei vielen Züchtern havannabraune Appenzeller verpönt und werden diskriminiert. Einige Züchter fürchten, völlig zu unrecht, dass der braune Appenzeller den schwarzen verdrängen könnte. Andere wieder behaupten sogar, dass der Braune eine "Gen-Krücke" sei und Krankheitsanfälliger ist als der Schwarze. Dies ist eine sehr dumme Aussage und zeugt von Unwissenheit!
Das rezessive Gen für die havannabraune Farbe ist seit jeher in unserer Rasse vorhanden. Das Allel b ist eine Genvariante, die nicht mit gesundheitlichen Nachteilen verbunden ist.

Die havannabraunen Hunde sind, was die Gesundheit angeht, genauso gut oder schlecht wie die Schwarzen – und was schön ist, liegt sowieso im Auge des Betrachters oder Käufers!

Dass der braune Appenzeller eine Bereicherung für unsere Rasse ist, muss nicht speziell betont werden.

Die hellen Augen und Nasen, die mit dem braunen Farbschlag verbunden sind, wirken auf manche Hundefreunde irritierend, auf andere dagegen faszinierend.
Wichtiges Indiz für echtes havannabraun mit den Allelen bb ist das Fehlen jeglichen schwarzen Pigments, nicht nur in den Haaren, das u.a. einen braunen Nasenspiegel und ein ockerfarbenes Auge bewirkt. Hervorgerufen wird diese Färbung durch eine veränderte Eumelanin-Struktur, die das normalerweise schwarze Eumelanin braun erscheinen lässt.

Havannabraun kann sich in verschiedenen Abstufungen zeigen, von Schokoladen- bis Bronzefarben.

2009,  eine havannabraune Hündin mit sehr guten genetischen Werten wurde zur Zucht ausgeschlossen wegen etwas zu hellen Augen. Kommentar: Wir wollen keine hellen Augen. Es hat sich nichts geändert, es ist wie vor 30/40 Jahren.

Die havannabraunen Appenzeller sind zwar geduldet aber immer noch unerwünscht. Mit schwarz x schwarz Paarungen versucht der SCAS, das havannabraun zu unterdrücken, obwohl dieser Typ 1982 offiziell anerkannt und seinem schwarzen Vertreter gleichgestellt wurde.

Dr. h.c. Hans Räber sagte schon 1971, dass das Zuchtverbot mit havannabraunen Hunden nicht sinnvoll und kaum eine befriedigende Lösung ist.

Den Befürwortern des braunen Appenzellers ist es ein Trost, es wird auch bei strengster Selektion nicht möglich sein, dass es keine braunen Erbträger mehr gibt. Bei der weitgehend planlosen Zucht, wie sie heute betrieben wird, ist an ein Verschwinden der braunen Erbträger überhaupt nicht zu denken. Sollte ein Gesinnungswechsel eintreten, so wird man binnen kurzem und mit dem nötigen Wissen eine Zucht reinerbiger "Havannas" aufbauen können.

Zitat Ines Döös, Züchterin und ehemalige Zuchtwartin, SCAS:
Erfahrungswerte müsste man erhalten, wenn man in Zukunft mittels Gentest - falls dies möglich ist - die reinerbig schwarzen und die mischerbigen Hunde erurieren könnte. Nur so kann man verhindern, dass zuviele mischerbige Hunde in der Zucht eingesetzt werden. Diese sind Braunträger und tragen dazu bei, dass immer mehr schwarze Appenzeller zu helle Augen - bis hin zu gelb - haben.

Schwarzer Rüde,
Braunträger mit sehr dunklen Augen seine Mutter und Grossmutter sind havannabraun

Schwarze Hündin mit havannabrauner Mutter, auch sie hat trotzdem dunkle Augen

Allein diese beiden Beispiele widerlegen schon die obige Aussage von Ines Döös

schwarzer Rüde mit sehr hellen Augen - beide Elterntiere, alle Grosseltern und alle Urgrosseltern von ihm sind schwarz.

Warum hat er so helle Augen?
Vielleicht weil es keine Havannas in seinen Ahnen hat?

Die blauen Augen bei den havannabraunen Appenzellern haben nur junge Welpen. Wenn sie älter werden, verwässert sich das Blau bis es sich in das typische ocker verwandelt hat.

 

Havannabraune Appenzeller hatten schon immer den Touch des Besonderen. Kein Wunder, dass die Havannas derzeit immer beliebter werden.


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Doris Meier

Brünggen 33

8483 Kollbrunn


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